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Hast Du Freude daran Tiere zu töten, Hans Weiß?

 

Hast Du Freude daran Tiere zu töten, 

Hans Weiß?

 

Hans Weiß lauert Wildtieren auf, erschießt sie und schlachtet sie. Der über 2 Meter große Handwerker, macht sich oft die Hände schmutzig. Nicht nur im Wald, sondern auch in seiner ein Hektar großen Tierauffangstation. Dort päppelt er vernachlässigte und kranke Tiere wieder auf.  Im Interview erzählt er uns, wie diese 2 Hobbys zusammenpassen und welche Menschen sich Stinktiere als Haustier halten. Viel Vergnügen…

 

Theresia: Danke Hans, dass Du mich heute in Deine Arche Noah eingeladen hast. Ich komme auch direkt zu meiner ersten Frage. 

Minute 1:00 FRAGE 1 Hast Du Freude daran, Tiere zu töten?

Hans: Ich glaube kaum, dass es irgendjemanden gibt, der Spaß daran hat, Tiere zu töten. Da muss man eine sehr perverse Ader haben. Ich bin Jäger, Falkner und ich bin Fleischesser. Damit ist absolut klar: wenn ich Fleisch essen will, muss ich Tiere töten. Jagd bedeutet aber nicht nur “Tiere töten”. Es ist interessant Tiere zu beobachten und ihnen nachzustellen. Ein weiterer Zweck, ist der Fleisch Gewinn.

Ob es die Jägerei braucht oder nicht, kann man generell diskutieren. Momentan ist der Wildbestand relativ hoch. Dementsprechend kann man auch was entnehmen. Auch bei der Falknerei geht es um die Freude an dem Training, der Ausbildung des Vogels und der Freude daran zu sehen, wie geschickt er sich anstellt. Nicht jedes mal führt die Jagd zum Erfolg.  

Theresia: Falknerei bedeutet, Du gehst anstatt mit einem Gewehr, mit einem Falken jagen? 

Hans: Genau. Mit einem Falken, einem Adler oder einem Bussard. 

Theresia: Ist das nicht sehr brutal?

Hans: Wenn er was erwischt, ist es auf jeden Fall brutaler als mit einem Gewehr. Auf der anderen Seite, ist es fair. Das Tier, welches gejagt wird, hat die Chance, zu entkommen. Man kann davon ausgehen, dass höchstens jedes 3. oder 4. mal erfolgreich ist. Wenn ich mit dem Adler auf ein Rudel Rehe jage, sucht sich der Vogel innerhalb von einer zehntel Sekunde das Schwächste aus. Ich als Mensch, könnte das in dieser kurzen Zeit überhaupt nicht entscheiden.

 

Theresia: Minute 3:15 FRAGE 2 Hast Du kein Mitleid mit den Tieren?

Hans: Genau das ist mein Problem. In dieser Hinsicht, bin ich ein sehr schlechter Jäger. Hinterher tut es mir meistens leid und ich denke mir, warum hast Du das jetzt gemacht? Bis zu einem gewissen Punkt, habe ich Mitleid. Allerdings habe ich nicht das große Problem, Tiere zu schlachten. 

Theresia: Wie fühlt es sich an, Herr über Leben und Tod zu sein?

Hans: Wenn ich anfange darüber nachzudenken, funktioniert das Töten nicht mehr. Ich habe in meiner Auffangstation auch Tiere für den eigenen Verzehr. Beispielsweise Gänse für Weihnachten. Die letzten Tage vor der Schlachtung, muss ich mich allerdings von den Tieren distanzieren. Früher habe ich sie sogar jemand anderen auf den Hof gegeben, der sich dann um sie gekümmert hat. Damit konnte ich keine emotionale Bindung zu ihnen aufbauen.

 

Theresia: Minute 4:55 FRAGE 3 Was hältst Du von Vegetariern?

Hans: Ich finde das gar nicht so schlecht. Wenn sich jemand, aus welchen Gründen auch immer, für diese Ernährungsweise entscheidet, finde ich das absolut in Ordnung. Ich habe höchsten Respekt davor, wenn das jemand durchzieht.

Ein größeres Problem habe ich mit dem Veganer.

Es ist nachgewiesen, dass man tierisches Eiweiß braucht. Nicht nur der Mensch, sondern auch Tiere selbst. Nehmen wir als Beispiel einen Strauß. Normalerweise ernährt er sich vegetarisch. Wenn er aber Eier legt, ist das eine sehr anstrengende Zeit und dafür braucht er tierisches Eiweiß. Er frisst dann Heuschrecken, kleine Schlangen und Eidechsen. Oder ein Sperling. Der ist ein reiner Körnerfresser. Außer bei der Jungenaufzucht. Hier geht er dazu über, hauptsächlich Insekten zu fressen weil im Fleisch wesentlich mehr Power drin steckt als im Korn.

 

Theresia: Minute 6:14 FRAGE 4 Was sagst Du zu dem Vorwurf, Jäger wollen nur einem archaischen Männlichkeitsbild entsprechen und bei diesem Altherren Ritual Trophäen mit nach Hause nehmen?

Hans: Bei mir ist das zwar nicht so, aber das gehört zur Jagd sicherlich dazu. Meines Erachtens, ist es nicht verwerflich.

Es ist ja nicht so, dass ein Hirsch innerhalb eines Jahres ein solches Geweih hat. Das kann durchaus 12 Jahre dauern bis er in der Blüte seines Lebens steht. Somit hat der Jäger ihn bereits seit 12 Jahren im Blick und ist wohl darauf bedacht zu selektieren, was er abschießt. Das Tier mit den besten Veranlagungen lässt er normalerweise laufen. So wie es die Natur vorgesehen hat. Der Schnellere und Stärkere kommt durch. Der Schwache wird gefressen. Der Jäger sortiert. Zwar könnte er theoretisch alles erschießen, was ihm vor die Flinte kommt, das wäre aber nicht sinnvoll. Wenn ich auf Rehjagd bin, werde ich immer das schwächste Kitz schießen. Wenn ich das Muttertier töte, gehen die Kitze ein. Das wäre kontraproduktiv. Der Jäger bezahlt fürs Jagen viel Geld. Deshalb will er seine Jagd nicht ausrotten, sondern den Bestand über Jahrzehnte nachhaltig gestalten.

Was viele Menschen nicht wissen: es gibt eine Verpflichtung zu jagen. Uns wird vom Landratsamt vorgegeben, wie viele Tiere wir schießen müssen. Das kann sich der Jäger nicht aussuchen. 

Theresia: Zum Verständnis:  Jemand der ein Waldgebiet besitzt, verpachtet das an einen Jäger - wie Dich zum Beispiel. Und Du bekommst die Vorgabe, Du musst im Jahr mindestens 20 Rehe schießen?

Hans: Ja, die Anzahl wird durch ein Verbissgutachten festgelegt. Das funktioniert so, dass ein Stück Wald abgesteckt wird. Dann wird gezählt, wie viele Bäume jeder Baumart darin stehen. Wenn darin nur eine kleine Eiche wächst, die von Rehen angefressen wird, bedeutet das 100 % Verbiss. Die Folge ist, dass der Abschuss erhöht wird, damit der Wald wächst. 

 

Theresia: Grünen Chef Ludwig Hartmann fordert den Jagddruck zu erhöhen.

Minute 10:10 FRAGE 5 Politiker fordern also: Wald vor Wild. Im klartext: Erschießt mehr Tiere. Wie stehst Du dazu?

Hans: Es ist richtig, dass Wild Schaden anrichtet. Ein Reh verbeißt Knospen von kleinen Bäumen. Dadurch wird dieser am Wachstum gehindert. Anstatt einer stolzen Eiche steht dann nur noch eine Busch da. Zum einen ist das ein wirtschaftlicher Schaden, zum anderen bringt die große Eiche mehr CO2 Neutralität.

Es muss sich alles die Waage halten. Früher gab es nicht so viel Wild wie heute. Als die Leute noch bettelarm waren und nichts zu beißen hatten, haben sie einen vorbeilaufenden Hasen oder ein Reh, nicht entkommen lassen. Somit war der Jagddruck, wesentlich höher. Ein anderes Thema sind Wildschweine. Diese sind im Wald gewünscht, weil sie den boden umgraben und indirekt neue Bäume pflanzen. Auf dem Feld, richten sie allerdings riesen Schaden an.

Je nach Pachtvertrag ist es normalerweise so, dass der Jäger für solche Schäden aufkommen muss. Teilweise kann es durch die hohe Wildschweinpopulation passieren, dass der Wildschaden erheblich höher ausfällt, als was überhaupt an Pachtkosten bezahlt wird. Nebenbei bemerkt, zahle ich schon mehr Pacht, als was ich jemals mit dem Wildfleischverkauf einnehmen könnte. Es ist ein teures Hobby.

 

Theresia: Minute 12:25 FRAGE 6 Sind Jäger Waffennarren?

Hans: Nein, das kann man nicht behaupten. Die Waffe ist ein Mittel zum Zweck. Sie muss funktionieren. Eine mit vernünftigen Objektiv geht ab 2.500 € los. Es ist aber auch kein Problem dafür 50.000 € auszugeben. Natürlich gibt es manche, die stolz auf ihre teuren Waffen sind. Das ist wie mit den Autos. Ich kann ein günstiges fahren, dass mich von A nach B bringt. Ich kann aber auch eine Luxuslimousine fahren, die das gleiche Endresultat bringt, aber das 20-fache kostet. Mir ist es wichtig, dass ich das Tier vernünftig erlegen kann, damit es so wenig wie möglich leidet.

 

Theresia: Minute 13:20 FRAGE 7 Wie wird sichergestellt, dass ein Jäger mit seiner Waffe nicht Amok läuft?

Hans: Wenn Du den Jagdschein machst, wird ein polizeiliches Führungszeugnis eingeholt. Aber nicht die Standardausführung, sondern das große ausführliche, welches man selbst nicht zu sehen bekommt. Außerdem muss nachgewiesen werden, dass man befähigt ist, eine Waffe zu führen. Das stellt die Jägerprüfung sicher. Als drittes muss man es einem zutrauen. . Das bedeutet, wenn man mich betrunken beim Autofahren erwischt, kann es durchaus passieren, dass mir nicht nur der Führerschein, sondern auch der Jagdschein entzogen wird. Das kann selbst dann passieren, wenn ich mehrfach beim Zu-schnell-fahren erwischt werde. Die Begründung des Richters könnte hier sein: Du hältst Dich an keine Regeln und bist damit nicht zuverlässig.

 

Theresia:  Minute 14:40 FRAGE 8 Du bist Jäger und betreibst eine Tierauffangstation, wie passt das zusammen?

 Hans: Ja seit über 30 Jahren. Ich bin eigentlich erst über die Auffangstation zur Jägerei gekommen. Wir haben immer mehr Greifvögel zur Pflege bekommen. Die kann man nicht einfach so halten da es geschützte Tiere sind. Für alle Lebewesen die ich versorge, muss ich einen Sachkundenachweis haben. Bei Greifvögeln ist das entsprechend die Falknerprüfung. Diese wiederum, ist Teil der Jagdausbildung. So bin ich relativ spät zur Jagd gekommen. Wie anfangs erwähnt, habe ich keinen Spaß daran, Tiere zu töten. Bei mir hat jedes Tier einmal eine Chance verdient. Die Leute bringen zu mir kleine Füchse, junge Marder oder Elstern, die ich mit der Pipette groß ziehe. Wenn ich es jetzt mal brutal ausdrücken muss: Eine Elster die ich im Frühjahr bekomme und aufziehe, lasse ich danach in die Freiheit fliegen. Wenn aber im Herbst die Jagdzeit beginnt und sie mir dann über den Weg fliegt, hole ich sie wieder runter.

Theresia: Du besitzt, neben Deiner Zimmerei, ein großes Grundstück, welches Du eingezäunt hast. Darin hast Du “das Nest” mit jeder Menge  verschiedener Tierarten. Esel, Stachelschweine, Waschbären, Wildschweine, Stinktiere und viel mehr.

Hans: Wir haben alles querbeet und immer wechselnd. Das was man bei mir auf dem Grundstück sieht und wo die Leute reingehen können, das sind 

ein Drittel eigene Tiere die ich gekauft habe
ein Drittel abgegebene Tiere, wo sich die Besitzer nicht mehr drum kümmern konnten
ein Drittel beschlagnahmte Tiere, die der Zoll bei mir lebenslänglich unterstellt.  

Auch Stinktiere sind bereits vermittelt worden.

Theresia: Wer bitte holt sich als Haustier ein Stinktier?

Hans: Für jede Sparte gibt es einen Verrückten. Viele Leute haben spezielle Interessen und Hobbys, die andere gar nicht verstehen können. Der eine sammelt Briefmarken, der andere züchtet Stinktiere. Es gibt aber leider auch viele, die sich so ein exotisches Tier zulegen, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Zu mir kommen Menschen, die sehen einen wunderschönen Ara und haben 1.000 € übrig. Die wollen ihn dann zum Spaß an der Freude mitnehmen. Sie kommen aber nicht auf die Idee, dass der Vogel auch fliegen muss und das er wahnsinnig laut ist. Somit ist er für eine Mietwohnung total ungeeignet. 50 % der Menschen, die sich Tiere zulegen, wissen gar nicht, was sie sich damit antun. Für einige ist es eine reine Prestigesache. So fährt mancher einen Ferrari, ein anderer zeigt mit einem Kampfhund, dass er der große Macker ist.

 

Theresia: So eine Tierauffangstation zu betreiben, kann ja nicht billig sein.

Minute 19:40  FRAGE 9 Wie finanzierst Du das alles?

Hans: Das ist mein Hobby und damit habe ich es auch zu bezahlen. Wir haben das Glück, dass die Besucher viele Spenden da lassen. Ich brauche im Monat ungefähr 800 € fürs Futter.  Wenn's gut läuft, bekomme ich die Hälfte davon an Spenden rein. Gott sei Dank sind die Tierärzte in der Gegend auch so nett und behandeln uns nicht wie einen Normalbürger. Das könnten wir sonst überhaupt nicht finanzieren. Meistens kassieren sie nur die Medikamente oder die Röntgenbilder ab.

Theresia: Wie viele Stunden verbringst du denn täglich damit, alles zu bewirtschaften. Du musst die Tiere ja füttern, ausmisten, die Käfige reparieren und so weiter.

Hans: Das Schöne ist, dass ich seit ca 1,5 Jahren 6 Helfer habe, die jeden Tag sehr fleißig mitarbeiten. Davor habe ich das alles mit einer einzigen Helferin (Monika) zusammen gemacht. Das war zum Schluss aber nicht mehr zu schaffen. Zwar waren die Tiere immer ordentlich versorgt, aber Fakt ist, dass es an Sauberkeit gefehlt hat. 

Daran stört sich zwar so ein Vogel nicht, ob die Wand angeschissen ist, aber fürs Auge war es nicht optimal. 

Das haben wir nun gut im Griff. Durch diese große Hilfe, die ich mittlerweile habe, habe ich wieder mehr Zeit. Dementsprechend auch wieder mehr Freude an dem Ganzen.  Wären die zusätzlichen Helfer nicht gekommen, hätte ich alles hingeschmissen weil ich keine Lust mehr hatte nach der Arbeit jeden Tag noch 4 Stunden bei Wind und Wetter die Viecher zu versorgen. 

Theresia: Du verlangst ja auch keinen Eintritt.

Hans: Das hat mehrere Gründe. Als erstes würde das Finanzamt anklopfen weil es ja Einnahmen wären. Dann hätte ich ganz andere Vorschriften. Ich müsste Toiletten nachweisen und so weiter. Es ist und soll ein Hobby bleiben und kein Gewerbe werden. Die meisten Auffangstationen sind ja abgeschlossen. Mir ist es aber wichtig, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Kinder sollen mit Ihrer Familie hierher kommen können und lebende Tiere aus der Nähe sehen.

Unsere Dauerpfleglinge, wie die Füchse oder Waschbären, die kann man auch mal anfassen und das Fell spüren. Oder die Vögel von einem halben Meter Entfernung beobachten. Ein Kind interessiert sich für die Lebewesen ganz anders, wenn es sie mal anfassen und in echt sehen kann, als wenn es sie nur im Buch sieht. Damit bewirkt man etwas. Das Interesse an der Natur steigt und es ist schön, wenn Kinder überhaupt mal wieder ein Tier erkennen. Leider wissen die Kleinsten oft nichts mehr von der Natur. Wir hatten einmal beispielsweise eine 3. Klasse hier. Ich habe ihnen 2 handzahme Eichhörnchen gezeigt. Als ich fragte, ob sie die Tierchen kennen, gab es erst mal großes Schweigen. Ganz zögerlich hob dann einer die Hand  und fragte, ob das ein “OBI” sei. Erst nach einigem Nachdenken habe ich begriffen, dass der Biber vom Obi-Baumarkt ja ähnlich aussieht. 

Sowas kann doch echt nicht wahr sein. 

Ein anderes mal, stand eine Mutter mit ihren 2 kleinen Kindern vor einer unserer Volieren. Auf dem Schild stand “Mäusebussard”. Sie las den Kindern das Schild vor und ergänzte in einem Nachsatz: “Die gehören zu den Nagetieren”. 

Ich dachte, ich fall vom Glauben ab.

Es kam auch schon vor, dass Besucher einen Marder gesehen haben und fragten, ob das eine Ratte sei.

Theresia: Du hantierst ja mit Lebewesen. Auch wenn Du keinen offiziellen Betrieb mit Einnahmen verwaltest,  musst Du viele Auflagen erfüllen. Wie ist das mit der Bürokratie? Es gibt bestimmt auch Menschen, die es nicht so toll finden was Du hier aufgebaut hast. 

Hans: Ich habe jedes Jahr immer wieder Anzeigen. Wir sind nach § 11 als ein Tierheim anerkannt. Ich kann über sämtliche Tiere eine Sachkundeprüfung vorlegen. Das kostet alles viel Zeit und Geld. Für so einen Nachweis, lege ich im Durschnitt 2.500 €  hin. Für alles gibt es Vorschriften. Beispielsweise muss ich für jedes Meerschweinchen 3 qm nachweisen. Eine Privatperson kann so ein Tier theoretisch im Schuhkarton halten. Die Anzeigen kommen immer anonym. Sie entspringen meist Unwissenheit oder Neid. 

Einmal habe ich eine Frau aus dem Gehege rausgeschmissen daraufhin kam, 2 Tage später, eine Anzeige. Der Vorwurf lautete, ich hätte so viele kranke und verletzte Tiere da. Außerdem müssten sie im Sommer in der Hitze und im Winter in der Kälte draußen leben. Dadurch, dass viele Menschen so weit weg von der Natur sind, liegen sie total daneben.

Theresia: Die Verfahren sind ja als unbegründet eingestellt worden. Nichtsdestotrotz: Entmutigt Dich das nicht?

Hans: Einmal war ich fast soweit. Wir wurden vor einiger Zeit durch das Veterinäramt kontrolliert. Da hatte ich so die Schnauze voll, dass ich alles hinschmeißen wollte. Mir ging das alles so sehr auf den Sack, dass ich zu den Beamten gesagt habe, der Landkreis solle sich in Zukunft selbst um die Viecher kümmern. Jeder redet immer schlau daher, tun aber selbst nichts. Ich mache mit Sicherheit nicht alles richtig. Aber warum kommt derjenige, der eine andere Meinung hat, nicht zu mir und sagt: “Hans, horch zu, das ist scheiße was Du da machst.” Dann können wir miteinander reden und ich kann erklären, warum etwas so ist wie es ist. 

Beispielsweise habe ich einen Habicht, der angehängt ist. Er wird falknerisch gehalten. Das ist nicht nur erlaubt, sondern hat auch einen bestimmten Sinn. Ich kann den Vogel nicht in einer Gittervoliere halten, weil er mir sonst gegen das Gitter fliegen würde und sich dabei die Federn zerstören würde. Derjenige, der mich aus diesem Grund anzeigt, weiß das aber nicht. Es ist wirklich schlimm. Wenn die Leute fragen würden, könnte man erklären, warum es so ist wie es ist. Miteinander reden hilft.

 

Theresia: Du musst auch öfters Tiere ausnehmen die Du getötet hast. Außerdem verfütterst Du tote Tiere.

Minute 29:45 FRAGE 10 Ekelt es Dich nicht manchmal?

Hans: Das geht im Großen und Ganzen. Tiere auszunehmen ist nicht so eklig, wie deren Hinterlassenschaften wegräumen. Die umliegenden Jäger bringen uns verunglücktes Wild von der Straße, welches wir dann verfüttern können. Diese Kadaver kommen nur noch als Gulasch an. Das ist schon etwas unangenehm, aber den großen Ekel habe ich nicht. 

 

Theresia: Minute  30:40 FRAGE 11 Ergänze diesen Satz: Wenn ich wüsste, ich kann nicht scheitern, würde ich?

Hans: Oh da gibt es viele tausend Sachen die mir einfallen. Ich würde unsere heutige Gesellschaft zurückdrehen. Diese Großkotzigkeit und Überheblichkeit, die wir momentan haben, ändern. Das ist durch unser extremes Luxusleben, was selbst jeder Hartz Vierler hat, bedingt. Niemand weiß mehr, was wirkliche Armut bedeutet. Wenn man hungern muss oder kein sauberes Trinkwasser hat. Bei uns ist man ja schon arm, wenn man sich einmal im Jahr den Urlaub nicht leisten kann. 

Wir haben ein Pflegekind aus dem Jemen bei uns. Unglaublich unter welchen Umständen die dort leben und trotzdem glücklich sind. Vor 50 oder 60 Jahren hat jeder mehr arbeiten und leisten müssen, war körperlich müde am Abend, aber dafür psychisch viel besser drauf. Menschen haben in einer Gemeinschaft viel mehr zusammengehalten. Heute ist jeder Einzelkämpfer. Die Arbeitszeit wird immer kürzer aber der Stress immer größer. Mehr Demut in der Gesellschaft wäre schön.

 

Danke Hans

 

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Weitere Infos:

Hans'  Tierauffangstation "Das Nest" auf  auf Facebook:   https://www.facebook.com/auffangstation.nest/

OTV Kurzfilm über "Das Nest" https://www.otv.de/mediathek/video/tierisches-tierauffangstation-das-nest/

 

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